Meilensteine auf dem Weg zur Neuausrichtung: Die Eigenfertigung als Wachstumstreiber

 

Das Werk 2 von Rodriguez beherbergte zunächst nur den Automotive-Bereich, heute erfolgt hier auch die Scanner-Montage und die Lagerung von Kugeldrehverbindungen

Vom Wälzlager-Händler zum Hersteller: Die Rodriguez GmbH hat in den letzten 35 Jahren eine klare Wandlung vollzogen. Zum Standort Eschweiler gehört mittlerweile ein umfassender Maschinenpark für die Bereiche Lineartechnik und Präzisionslager. Derzeit liegt der Anteil der Eigenfertigung bei ca. 45 %. Dank der eigenen Produktion, aber auch aufgrund der kurzen Entscheidungswege zwischen Vertrieb, Entwicklung und Konstruktion kann Rodriguez weitaus flexibler agieren als seine Wettbewerber. Das liegt nicht zuletzt daran, dass alle Prozessschritte im Unternehmen abgedeckt werden können – von der Entwicklung über die Fertigung bis hin zur Montage und Qualitätssicherung.

Seit der Gründung im Jahr 1984 ist Rodriguez ein Handelsunternehmen, das mit dem Ein- und Verkauf amerikanischer und europäischer Wälzlager sein Geld verdient – darunter Kaydon-Dünnringlager, Edelstahlpolymergehäuseeinheiten, RTB-Lager, Kugeldrehverbindungen und viele weitere Produkte.

Für die Fertigung von Präzisionslagern setzt Rodriguez moderne CNC-Drehmaschinen ein
Im Bereich der Präzisionslager ist es Rodriguez möglich, Kugeldrehverbindungen mit Außendurchmesser bis 1.400 mm zu fertigen.

Mit Beginn der 90er-Jahre hat Rodriguez Lineartechnikprodukte in das Produktportfolio aufgenommen. Der Startschuss für die Eigenfertigung in diesem Bereich erfolgte etwa zeitgleich und war nötig, um im Hinblick auf kundenspezifische Lösungen flexibler und handlungsfähiger zu sein. Zunächst beschränkte man sich auf die Konfektionierung von gehärteten und geschliffenen Wellen. Bald wurden jedoch auch Lineargehäuse, Wellenböcke, Wellenunterstützungen sowie Rundführungen selbst gefertigt. Heute kann Rodriguez dank moderner CNC-Dreh- und Fräsmaschinen unter anderem Wellen mit einem Außendurchmesser bis 100 mm bearbeiten. Der Maschinenpark inklusive Messzentrum und Qualitätssicherung sowie das Know-how der Mitarbeiter sind ganz auf das Hartdrehen von Werkstücken ausgerichtet.

Der Reinraum von Rodriguez ist eine wichtige Voraussetzung für die Montage und Fertigung von Komponenten in der Halbleitertechnik

Vor ca. 10 Jahren investierte das Unternehmen in eigene Bearbeitungszentren und erweiterte darüber hinaus den Maschinenpark, sodass die Bearbeitung und Fertigung von Lagern möglich wurde. Heute ist es möglich, Kugeldrehverbindungen mit Außendurchmessern bis 1.400 mm oder auch die immer stärker nachgefragten Dreheinheiten mit kleinerem Durchmesser zu fertigen. Innovative Vorrichtungen und fortschrittliche Werkzeuge sorgen dafür, dass die Fertigungsanlagen stets auf dem neuesten Stand der Technik sind. So steht unter anderem ein Reinraumsystem der Reinraumklasse 4 nach DIN EN ISO 14644-1 zur Verfügung – eine wichtige Voraussetzung für die Montage und Fertigung von Komponenten in der Halbleitertechnik.

Im Rahmen der kundenspezifischen Anpassung von Standardteilen übernimmt Rodriguez auch die Endenbearbeitung von lineartechnischen Produkten

Die eigenen Produktionskapazitäten im Bereich der Präzisionswälzlager und der Lineartechnik werden unter anderem für die Fertigung von kundenspezifischen Systemlösungen genutzt, auf die sich Rodriguez über die Jahre spezialisiert hat: Basierend auf dem langjährigen Engineering-Know-how sowie den speziellen Kenntnissen und Erfahrungen in der Mechanik entwickelt und realisiert Rodriguez die sogenannten Value Added Products (VAP). Sie basieren auf hochwertigen Wälzlagern und Lineartechnik-Komponenten, kombiniert mit einem umfassenden Rundumservice.

Im Rahmen der kundenspezifischen Anpassung von Standardteilen übernimmt Rodriguez auch die Endenbearbeitung von lineartechnischen Produkten: Dabei können Wellen, Kugelgewindetriebe und Trapezgewindespindeln entsprechend der Kundenwünsche modifiziert werden. Höchste Qualität ist garantiert, denn Rodriguez verfügt über 5-Achs-CNC-Maschinen, die speziell für die Hartbearbeitung ausgelegt sind.

Rodriguez verfügt über eine 5-Achs-CNC Maschine, die speziell für die Hartbearbeitung
ausgelegt ist

Veränderungen der Räumlichkeiten über die Jahre

Der Ausbau der Eigenfertigung brachte über die Jahre auch räumliche Veränderung mit sich. So hat Rodriguez 2008 ein zweites Werk auf der gegenüberliegenden Straßenseite angemietet, das zunächst nur den Automotive-Bereich beherbergte. Auf ca. 1.200 qm befanden sich zunächst die Büros und Lager sowie die Qualitätssicherung und Montage von Automotive-Komponenten. Mit der Zeit wurde der Platz im Lager in Werk 1 jedoch zu knapp. Deshalb wurde die Scanner-Montage für den Bereich Präzisionslager und Value Added Products in Werk 2 verlegt – inklusive einem eigenen Bereich für Langzeittests. Außerdem wurden zusätzliche Lagerflächen geschaffen.

Die räumliche Aufteilung in Werk 1 stellt sich derzeit wie folgt dar: In Halle 1 befindet sich neben dem Kleinteileregallager und dem Warenein- bzw. -ausgang der 2017 neu geschaffene Messraum mit ca. 65 qm. In Halle 2.1 werden lineartechnische Komponenten und Spindeln montiert, zudem ist hier die Montage der Präzisionslager inklusive Reinraum angesiedelt. In Halle 2.2 erfolgt die CNC-Fertigung von Kugeldrehverbindungen und Präzisionslagern. Halle 3 ist ganz auf die lineare Fertigung ausgerichtet: Hier finden CNC-Dreh- und Fräsmaschinen, Poliermaschinen sowie Trennmaschinen für Roh- und Wellenmaterial ihren Platz. Halle 4 war ursprünglich eine Logistikhalle, die aber seit Mitte 2018 immer mehr zur Produktionshalle umgebaut wird. Ende 2019 soll eine weitere neue Maschine für die Lineartechnik in Betrieb genommen werden – eine Biglia B446T2Y2 mit Be- und Entladesystem, die zudem mannlos laufen kann und somit die Automation bei Rodriguez vorantreibt.

Innovative Vorrichtungen und fortschrittliche Werkzeuge sorgen dafür, dass die Fertigungsanlagen stets auf dem neuesten Stand der Technik sind

Messraum: Geprüfte Qualität – für noch mehr Genauigkeit

Der Messraum in Halle 1 ist ein Beispiel für die kontinuierliche Verbesserung der Ausstattung im Dienste des Kunden: Um die geforderten Toleranzen von Präzisionslagern und Lineartechnik im µm-Bereich prüfen zu können, hat Rodriguez im Jahr 2017 Lagerregale aus Halle 1 in Werk 2 verlagert, damit auf dieser Fläche ein separater Messraum entstehen konnte. Dafür hat Rodriguez unter anderem in eine neue 3D-Messmaschine investiert, die Wälzlager mit Außendurchmessern bis 1.500 Millimeter prüfen kann. Mit einem taktilen System lassen sich die Kontur und Rauheit von Kugellaufbahnen vermessen. Nicht zuletzt sind ein Prüfstand und mobile Geräte zur Prüfung der Härte im Einsatz sowie eine hochauflösende Längenmessbank und Rundheitsprüfgeräte im μ-Bereich. Diese Mittel ermöglichen es dem Eschweiler Spezialisten, die Maßhaltigkeit zum Beispiel von bearbeiteten Wellen und Kugelrollspindeln, aber auch von Frästeilen wie Lagergehäusen und Wellenunterstützungen zu prüfen. Abgesehen von einzelnen Komponenten lassen sich aber auch komplexe Bauteile kontrollieren: Wichtig ist dies unter anderem bei den kundenspezifischen Systemlösungen.

Neue Maschinen für die Produktion von Lineartechnik und Präzisionslagern

Im Laufe der Jahre hat Rodriguez in eine Vielzahl fortschrittlicher Maschinen investiert. Ein Beispiel dafür ist ein 3-Achs-Bearbeitungszentrum des Typs Hedelius C80 Magnum, das seit 2018 die Eigenfertigung von Rodriguez im Bereich Lineartechnik ergänzt. Die Maschine wird bei Rodriguez zur Fertigung von gehärteten Wellen eingesetzt – unter anderem lassen sich Radialbohrungen und Fräsflächen realisieren. Das Bearbeitungszentrum verfügt über eine Teilautomation im Pendelbetrieb, sprich sie kann beidseitig bearbeiten.

Im Messraum kann Rodriguez die geforderten Toleranzen von Präzisionslagern und Lineartechnik im μ-Bereich prüfen

Im rotativen Bereich ergänzt seit dem Juni 2019 eine neue Drehmaschine des Typs Citizen Miyano ABX-64SYY2 den Maschinenpark. Damit werden nicht nur die Produktionskapazitäten für vorhandene Produkte erweitert, sondern auch das Sortiment weiter ausgebaut: Die Maschine ermöglicht es Rodriguez, sehr kleine rotative Hochpräzisionslager mit großer Genauigkeit selbst zu fertigen.

Die sogenannten Value Added Products (VAP) sind kundenspezifische Systemlösungen, die auf hochwertigen Wälzlagern und Lineartechnik-Komponenten basieren

Die Fertigungstiefe der Eigenfertigung weiter ausweiten und somit noch besser und flexibler auf Kundenwünsche eingehen zu können, ist die Vision von Rodriguez. Um das erreichen zu können, soll bis 2021 ein neues Gebäude entstehen, das die Produktionsflächen und Büros mit dem Schwerpunkt Fertigung auf ca. 2900 qm erweitert. Zeitgleich will das Unternehmen mit Hilfe externer Partner die Produktionsprozesse und den Materialfluss optimieren.

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